Studie der Erwin Hymer Group: So campt Europa

Die Erwin Hymer Group (EHG) wollte es genau wissen: Wie unterscheiden sich die „Caravanning Cultures“ innerhalb von Europa? Um dies herauszufinden, wurden im Frühjahr 2018 mehr als 3.800 Camper aus neun Ländern befragt.

In der Online-Befragung, die im Frühjahr 2018 im Auftrag der Erwin Hymer Group durchgeführt wurde, kamen sowohl Reisemobilisten als auch Camper zu Wort, die mit Wohnwagen unterwegs sind. Mit deutlichen Unterschieden: Während vor allem Briten (72 %), Niederländer (56 %) und Schweden (53 %) gerne den Caravan an den Haken nehmen, verhält es sich bei den Italienern genau umgekehrt. Acht von zehn Camping-Tifosi schwören im Urlaub auf CamperVan oder Wohnmobil. Europaweit ist das Verhältnis dagegen nahezu ausgeglichen.

Nahezu identisch ist dagegen das Alter: Europas durchschnittlicher Camper ist 43 Jahre alt, lebt in einem Dreipersonen-Haushalt und ist Angestellter.

Destinationen: Gemeinsamer Traum vom Mittelmeer

Europas Traumdestination ist das Mittelmeer (59 %) und steht in fast allen Ländern auf Platz 1. Das gilt sogar für schwedische Camper – trotz Anfahrtswegen von mindestens 1.500 Kilometern. Lediglich die Briten zieht es stärker in eigene Gefilde. Neben Adria und Riviera (69 %) schätzen vor allem Italiener auch die großen Binnenseen (35 %). Deutsche haben dagegen eine Vorliebe für Nord- und Ostsee (45 %). Auffallend ist auch die Sehnsucht der Niederländer nach dem Hochgebirge (31 %) als Kontrast zur flachen Heimat.

Große Unterschiede offenbaren sich auch bei der Dauer der Reise: Während Niederländer, Franzosen und Schweizer im Schnitt knapp 14 Tage unterwegs sind, dauert der Urlaub für die Briten nur sieben Tage – und für Italiener, Norweger und Schweden etwa zehn Tage. Ausgesprochene Langzeiturlauber finden sich unter den Franzosen: 37 % haben in den letzten drei Jahren einen Campingurlaub erlebt, der länger als 15 Tage dauerte.

Am Ziel: Entspannen und Relaxen – mit unterschiedlichen Schwerpunkten

Entspannen und Relaxen stehen als Urlaubs-Aktivitäten ganz oben (89 %), gefolgt von Ausflügen vor Ort (83 %) und der Besichtigung von Sehenswürdigkeiten (77 %). Vor allem Italiener lassen keine Langeweile aufkommen: Sie sind sowohl an Ausflügen sowie an Wellness und sportlichen oder kulturellen Aktivitäten wie Museumsbesuchen interessiert. Italiener reisen auch gerne mit Freunden oder schließen sich geführten Touren an. Die Leidenschaft fürs Radfahren teilen sie mit den Franzosen. Ausgesprochen relaxt gehen es dagegen im Urlaub bei Briten, Schweden, Schweizer und Österreicher zu.

Vor allem Niederländer und Italiener gehen eher auf ihre Stellplatz-Nachbarn zu – was Österreichern und Schweizern eher fremd ist. Insgesamt hält man es aber so: Kontakte werden aktiv oder wenn es sich ergibt geknüpft. 66 % der Befragten stimmen dieser Aussage zu.

Kein Stress im Urlaub – ob zu zweit oder mit Familie

61 % der Befragten finden: Der gemeinsame Camping-Urlaub schweißt zusammen – egal ob Paare oder Familien. Vor allem Franzosen (71 %) und Italiener (69 %) können dies bestätigen. Dabei ist die Besatzung durchaus unterschiedlich: Mindestens ein Kind ist bei 52 % aller Camper mit an Bord – vor allem bei Franzosen, Briten (je 60 %) und Italienern (55 %). 11 % der britischen Camper sind sogar mit mehr als zwei Kindern unterwegs. Als Pärchen verreisen dagegen 31 % aller Befragten – vor allem Deutsche, Österreicher und Schweizer mögen die Zweisamkeit im Wohnmobil oder Wohnwagen.

quotas Wir wollten wissen, wie Europas Camper ticken, wo sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede zeigen. Die Ergebnisse der Studie helfen uns, unsere Angebote zukünftig noch besser auf die Bedürfnisse und Wünsche unserer Zielgruppen auszurichten.
Stefan von Terzi
Leiter Marketing & Kommunikation

Nicht nur zur Sommerszeit

Auch wenn Camping primär mit Sommer und Sonnenschein assoziiert wird – Wintercamping findet immer mehr Freunde. 35 % von Europas Campern haben damit bereits Erfahrungen gemacht – von ihnen sagen 80 %: gerne wieder. Camping im Schnee ist aber eher etwas für Jüngere und bei Franzosen und Schweden deutlich beliebter als bei Österreichern oder Schweizern – die ja die Skiregionen direkt vor der Haustür haben. Neugierig auf Wintercamping sind immerhin 42% derjenigen, die bisher noch nicht in der kalten Jahreszeit mit Wohnwagen oder Wohnmobil unterwegs waren. Vor allem Italiener und Briten zeigen sich hier interessiert.

Ausstattung: kein europäischer Einheitsgeschmack

Auch bei den Ausstattungswünschen gehen die Geschmäcker auseinander: Franzosen legen Wert auf eine Mikrowelle. Das tun Engländer und Schweden auch, beide haben aber außerdem noch den Backofen auf ihrer Wunschliste. Italienern sind ein möglichst großer Küchenbereich, eine Klimaanlage sowie ein möglichst großes Doppelbett wichtiger als anderen Nationalitäten.

Apropos Bett: An den Grundrissen scheiden sich die Geister. So dominiert zwar – mit Ausnahme von Deutschland, wo das Querbett bevorzugt wird – europaweit der Wunsch nach dem beidseitig begehbaren Queensbett (45 %). Aber während längs angeordnete Einzelbetten in Schweden (25 %) und Österreich (23 %) auch akzeptiert werden, fällt diese Anordnung in Frankreich (12 %) und Italien (14 %) praktisch durch. Österreichern und Schweizern ist ein größtmögliches Bett besonders wichtig.

Peer-to-Peer-Vermietung: der neue Trend?

Fast ein Viertel der Befragten könnte sich vorstellen, das neue oder aktuelle Fahrzeug auch gewerblich zu vermieten, 11 % haben bereits Erfahrung damit. Besonders vermietungsaffin sind Franzosen, während Deutsche, Österreicher und Schweden mehrheitlich nur an Familie oder Freunde verleihen würden. Die Bereitschaft zur Vermietung ist jedoch vor allem altersabhängig: 17 % der bis 29-jährigen haben das eigene Fahrzeug bereits vermietet und 31 % könnten sich das vorstellen. Für die Camper von morgen könnte Sharing also eine deutlich größere Bedeutung bekommen.